„Das innere Gebet ist nach meiner Meinung nichts anderes als ein Umgang der Freundschaft, in dem man sich häufig allein mit jenem unterhält, von dem man weiß, dass er uns liebt.” — Teresa von Ávila, Buch meines Lebens
Wenn du Teresa hören willst, geh nicht zuerst vor das Bernini in Rom, geh in die Küche. Sie gehört dorthin, nicht weil die Küche frommer wäre, sondern weil sie den Herrn unter den Töpfen gefunden hat, zwischen den pucheros, während andere noch auf eine würdigere Begegnung warten, irgendwo, wo es stiller und heiliger riecht.
Man hat aus ihr eine Gipsheilige gemacht, transverberiert, in Marmor zurückgelehnt, den Engel mit dem Feuerpfeil, und das ist ein schönes Bild, nur hat es mit der Frau aus Ávila so viel zu tun wie ein Souvenir mit der Stadt, die es verkauft. Teresa war witzig, praktisch, oft krank, eine Gründerin, die Steine zählte und mit Stadträten stritt, und sie nannte das Gebet Freundschaft, amistad, nicht Besitz. Du sitzt mit jemandem, von dem du weißt, dass er dich liebt, und der innere Kaufmann hasst genau das, weil Freundschaft sich nicht bilanzieren lässt.
Wer Was ist Mystik? fragt und eine Antwort sucht, die weder ekstatisches Theater noch fromme Legende ist, kommt an ihr nicht vorbei. Sie gehört in die christliche Mystik und bleibt darin die, die den Herrn in der Küche vermutet, nicht weil sie zu wenig erlebt hätte, sondern weil sie den Erlebnissen nicht traute, sobald man sie sammeln wollte.
Die Tochter aus Ávila
Teresa de Cepeda y Ahumada, 28. März 1515, Ávila, hinter den Mauern der kastilischen Hochebene. Der Vater Alonso Sánchez de Cepeda stammte aus einer Conversenfamilie, der Großvater war in Toledo von der Inquisition zur Versöhnung gezwungen worden; die Mutter Beatriz de Ahumada las Ritterromane, und Teresa las mit, bis die Mutter 1528 starb und das Mädchen dreizehn war. Das ist kein Heiligenschein, das ist eine kastilische Kindheit.
Mit sieben wollte sie mit dem Bruder Rodrigo zu den Mauren laufen, um Märtyrerin zu werden, und man holte sie am Stadttor zurück. Später hat sie darüber gelacht, und das Lachen ist wichtiger als die Anekdote, weil es schon die Frau zeigt, die Pathos verdächtigt, auch das eigene. Eine Weile bei den Augustinerinnen zur Erziehung, dann der Kampf mit dem Vater, dann, am 2. November 1535, der Eintritt in die Encarnación: großes Karmelitinnenkloster, weit über hundert Schwestern, Sprechzimmer, ein frommes Haus, das sich anständig eingerichtet hatte.
Die Encarnación war kein Sündenpfuhl und kein Kartäuserhaus. Sie war bequem genug, dass man dort Nonne sein konnte, ohne dass Gott unbequem wurde. Teresa war charmant, gesprächig, beliebt im Sprechzimmer, und genau das wurde später ihr erster Feind, nicht weil Reden Sünde wäre, sondern weil die Freundschaft mit Gott dort keine Zeit mehr findet, wo du ununterbrochen für andere nett bist.
Krankheit und die lange Lauheit
Bald nach der Profess die Krankheit, schwer, undeutlich, Jahre. 1538 verlässt sie das Kloster, lebt bei der Schwester, liest bei einem Onkel Francisco de Osunas Drittes geistliches Alphabet, die Lehre vom recogimiento, dem inneren Sammeln. Dann der Zusammenbruch: eine Heilbehandlung, die sie fast tötet, Starre, Lähmung, Monate, in denen man sie schon für tot hielt. Etwa drei Jahre braucht der Körper, bis er wieder gehorcht, und er gehorcht nie ganz. Teresa bleibt eine Kranke, die reist, gründet, schreibt, und das solltest du nicht als Heldentum lesen, sondern als Realismus: Der Weg findet in einem Körper statt, nicht neben ihm.
Nach der Genesung die langen Jahre, die sie selbst später nicht schönt. Sie betet, hört auf zu beten, weil ein Beichtvater ihr das innere Gebet als zu gefährlich ausredet, nimmt es wieder auf, bleibt halb, charmant, zerfahren. Fast zwanzig Jahre in der Encarnación, und das ist die eigentliche Biografie, nicht die Ekstase. Man kann sehr fromm sein und dabei ununterbrochen um sich selbst kreisen, und Teresa durchschaut das später, ohne zornig zu werden. Sie lächelt und nimmt dir die fromme Rolle weg, zuerst die eigene.
Um 1554, sie ist neununddreißig, die Wende, und sie ist nicht spektakulär im Sinne des Kaufmanns. In einem Oratorium der Encarnación ein Bild des verwundeten Christus, ein Ecce Homo, und Teresa bricht zusammen, nicht vor Schönheit, vor Wahrheit. Zur selben Zeit Augustinus’ Bekenntnisse, die Szene im Garten, und sie erkennt sich, nicht als Heilige, als jemand, der sich jahrelang gedrückt hat. Das ist die sogenannte zweite Bekehrung, und das Wort ist zu kirchlich für das, was geschieht: Eine Frau hört auf, mit Gott zu kokettieren, und fängt an, da zu sein.
Ab da die inneren Gaben, die sie nicht gesucht hat und die sie in Schwierigkeiten bringen. Innere Worte, Verzückungen, später, um 1559, die Transverberation: ein Engel, ein goldener Pfeil, die Spitze aus Feuer, wieder und wieder durchs Herz, Schmerz und Liebe so ineinander, dass Bernini daraus Marmor machen konnte. Teresa selbst ist nüchterner. Sie berichtet, weil man sie gehorchen lässt, und misst die Gabe nicht am Spektakel, sondern daran, ob danach mehr Demut da ist und mehr Dienst. Der innere Kaufmann will genau das Gegenteil: Er will die Wunde als Ausweis. Sie würde ihn in die Küche schicken.
Freundschaft, nicht Besitz
Das Schlüsselwort ist nicht Ekstase. Das Schlüsselwort ist amistad.
Gebet, sagt sie, ist Umgang der Freundschaft: Zeit allein mit dem, von dem du weißt, dass er dich liebt. Kein Handel, kein Tarif, kein „ich meditiere, also musst du zahlen“. Du setzt dich hin, weil der Freund da ist, nicht weil du eine Lieferung erwartest. Das klingt sanft, bis du merkst, wie viel von deinem inneren Leben Handel ist. Du willst Frieden, Klarheit, Tränen, ein Zeichen, dass du weiter bist, und nennst das Gebet. Teresa nennt das gustos, Tröstungen, und sie sind nicht böse, sie sind nur nicht Gott. Sobald du sie sammelst, hast du den Freund gegen die Ware getauscht.
Deshalb besteht sie auf determinación, genauer: auf determinada determinación, einer Entschlossenheit, die sich nicht von der Stimmung abhängig macht. Du bleibst, nicht weil es schön ist, sondern weil Freundschaft bleibt, wenn das Gespräch stockt. Es kommt bei ihr nicht darauf an, viel zu denken, sondern viel zu lieben, und Liebe heißt hier nicht Gefühlsware, sondern Dableiben. Das ist dieselbe spirituelle Psychologie, die du bei Meister Eckhart als Gelassenheit hörst und bei Johannes vom Kreuz als Nacht, nur spricht Teresa nicht zuerst vom Nichts und nicht zuerst vom Grund, sie spricht von jemandem, der da ist. Eckhart lässt Gott Gott sein. Johannes bleibt, wenn der Trost genommen wird. Teresa setzt sich zum Freund, auch wenn der Freund schweigt, und weigert sich, das Schweigen als Beleidigung zu verbuchen.
In der Vida beschreibt sie das Gebet in vier Wassern, und das Bild ist kastilisch, ein Garten, der bewässert werden will, in einem Land, das Durst kennt. Zuerst der Brunnen: Du ziehst den Eimer selbst, diskursive Betrachtung, viel Mühe, wenig Wasser, Anfängerarbeit, ehrlich, unromantisch. Dann das Schöpfrad, die Noria: Gott hilft, das Gebet der Ruhe beginnt, die oración de quietud, weniger Kraft, mehr Empfang. Dann der Bach, der den Garten selbst speist, Einung, die Vermögen schlafen ein, du arbeitest kaum noch. Zuletzt der Regen: eingegossene Beschauung, keine menschliche Technik, der Garten wird durchnässt, und wer das herbeiführen will, steht im Hof und schüttelt die Fäuste gegen den Himmel. Teresa lacht ihn nicht aus, sie kennt ihn, sie war er. Sie sagt nur: Du kannst den Brunnen schaufeln. Den Regen bestellst du nicht.
Der Kaufmann hört „vier Wasser“ und macht eine Treppe daraus, mit Abzeichen. Teresa macht einen Garten daraus, der verdorrt, wenn du ihn als Besitz führst. Das vierte Wasser ist kein Abschluss, den du vorzeigen kannst. Es ist Gott, der gießt, und du, der aufhört, den Gärtner zu spielen, als gehörte ihm der Himmel.
Die innere Burg
1577, in wenigen Monaten, das Buch, das ihren Namen trägt: Castillo interior, die innere Burg, auch Las Moradas, die Wohnungen. Die Seele ist eine Burg aus einem einzigen Diamanten, durchsichtig, und in der Mitte wohnt der König. Du musst nicht irgendwohin reisen. Du musst eintreten, und die meisten stehen draußen und reden über den König, als wäre Reden schon Eintritt.
Sieben Wohnungen, nicht als Karriere. Die ersten drei sind noch weitgehend dein Werk: Eintritt trotz der Kröten und Schlangen des Vorhofs, also Zerstreuung, Sünde, Gerede. Dann das eigentliche Gebet, mit Rückfällen. Dann die dritte Wohnung, und hier wird sie scharf, weil hier die anständigen Leute wohnen. Geordnetes Leben, Beichte, Maß, guter Ruf, und genau deshalb die Gefahr, stehen zu bleiben. Du bist fromm genug, um dich nicht mehr zu schämen, und nicht leer genug, um weiterzugehen. Der Kaufmann hat sich etabliert. Er trägt nicht mehr den Lautsprecher der Ekstase, er trägt den korrekten Mantel.
Ab der vierten Wohnung wechselt der Wasserlauf. Nicht mehr der Aquädukt, den du baust, sondern die Quelle, die innen aufsteigt. Hier beginnt das Übernatürliche in ihrem Sinn: nicht Zirkus, sondern dass Gott mehr tut als du. Gebet der Ruhe, innere Sammlung, die nicht mehr gemacht, nur zugelassen wird. In der fünften die Einung, das Seidenraupengleichnis: Die Raupe spinnt sich ein, stirbt als Raupe, wird Schmetterling, und Teresa meint das nicht als schöne Metamorphose fürs Poster, sie meint, dass etwas in dir nicht überleben soll, nämlich der, der die Einung besitzen will.
Die sechste Wohnung ist unruhig: Verlobung, Prüfungen, innere Worte, Verzückungen, auch Wunden wie die Transverberation, und daneben Trockenheit, Verleumdung, Krankheit. Wer Mystik als Wohlfühlweg sucht, steigt hier aus, oder er fälscht. Teresa fälscht nicht. Sie sagt, dass Gott hier sowohl schenkt als auch wegnimmt, und dass beides dieselbe Freundschaft ist, nur ohne den Zucker, den du dafür gehalten hast.
In der siebten Wohnung die geistliche Vermählung, nicht als Hochzeitsfoto, als bleibende Einwohnung in der Mitte der Seele. Danach nicht der Rückzug ins Privileg, sondern der Dienst. Maria und Marta zusammen, Beschauung, die kocht. Das Ziel der Unio Mystica ist bei ihr nicht, in der siebten Wohnung sitzen zu bleiben und davon zu erzählen. Das Ziel ist, dass der Freund den ganzen Bau bewohnt, inklusive Küche, und du aufhörst, einzelne Zimmer als Trophäen zu vermieten.
Du kannst die Burg neben Johannes’ Nacht legen, und du solltest es. Sie kartografiert den Innenraum als Freundschaft mit Gott. Er kartografiert die Nacht als Reinigung. Dieselbe Reform, zwei Landkarten, keine Rivalen. Wer nur Teresa liest, kann die Tröstungen für den Weg halten. Wer nur Johannes liest, kann die Freundschaft vergessen und die Dunkelheit für das Ganze halten. Zusammen sind sie brauchbar: die Burg sagt dir, wohin die Freundschaft führt, die Nacht sagt dir, was mit dem Kaufmann geschieht, der in den Wohnungen Handel treiben will. Die ausführliche Nacht steht unter der Dunklen Nacht der Seele, und du brauchst sie, sobald die vierte Wohnung nicht mehr süß ist und du glaubst, du hättest etwas falsch gemacht.
Bei Rumi wird aus dem Verlust des äußeren Geliebten die Einsicht, dass der Geliebte innen war. Dieselbe Bewegung: weg vom habbaren Gott. Teresa bleibt Karmelitin, unterscheidet Schöpfer und Geschöpf, und die Vermählung der siebten Wohnung ist Liebe, nicht Verschmelzung. Eckhart klingt im Seelengrund kühner, Johannes genauer, sie wärmer — und die Wärme ist kein Weichspüler, sie ist die Weigerung, Gott ohne Küche in ein System zu stecken.
Reform unter den Töpfen
Am 24. August 1562 San José in Ávila, das erste reformierte Haus, klein, arm, zurück zur ursprünglichen Karmelregel, Klausur, Stille, Arbeit. Die Stadt war dagegen, Teile des Ordens auch. Teresa verstand die Absage an die Encarnación als Freundschaft, die Konsequenzen hat: Wenn du mit Gott leben willst, brauchst du ein Haus, in dem das Sprechzimmer nicht das Zentrum ist. Nicht weil Menschen böse wären, sondern weil du schwach bist, und sie war die Erste, die das von sich sagte.
Ab 1567 Erlaubnis des Ordensgenerals Giovanni Battista Rossi, genannt Rubeo, zu weiteren Gründungen. Medina del Campo, und dort die Begegnung mit Juan de Yepes, neu geweiht, Mitte zwanzig, sie über fünfzig, der mit den Kartäusern liebäugelte, als wäre noch mehr Strenge schon die Sache. Sie holte ihn in die Reform der Brüder. 1568 Duruelo, die Unbeschuhten, Juan de la Cruz. Sie baute Häuser, er dachte die innere Konsequenz zu Ende. Sie fragte: Wo wohnt der Freund? Er fragte: Und wenn in den Häusern immer noch der Kaufmann wohnt?
Siebzehn Frauenklöster ungefähr, Reisen, Briefe, Verhandlungen. 1571 wird sie gegen ihren Willen Priorin der Encarnación, ausgerechnet dort, und holt Johannes als Beichtvater. Dann der Ordensstreit, Beschuhte gegen Unbeschuhte, und 1577 die Gefangenschaft des Johannes in Toledo. Teresa schreibt, interveniert, gründet weiter. 1582, auf der Rückreise, stirbt sie in Alba de Tormes, in der Nacht vom 4. Oktober, jener Nacht, in der der gregorianische Kalender zehn Tage überspringt. Heiligsprechung 1622, Kirchenlehrerin 1970, erste Frau mit diesem Titel. Die Stempel kamen spät. Die Küche war früher da.
Ein Satz aus den Gründungen bleibt der schärfste gegen den Gips: Auch unter den Töpfen wandelt der Herr. Eine Schwester in der Küche, die meint, das eigentliche Leben sei woanders, in der Zelle, in der Verzückung, und Teresa stellt den Herrn zwischen die pucheros. Nicht als Trostpflaster. Als Lehre: Wenn Gott nur dort ist, wo du ihn feierlich erwartest, hast du schon ein Heiligtum gebaut, das ihn aussperrt. Der Kaufmann will das Heiligtum. Die Köchin braucht den Herrn beim Geschirr.
Die drei Bücher, die zählen
Drei Texte tragen die Lehre, plus die Gründungen und die Briefe.
Die Vida, um 1562, erweitert 1565, unter Gehorsam. Autobiografie als Seelenleitung. Hier die vier Wasser, hier die Transverberation, hier die Beichtväter, und die Inquisition im Hintergrund, weil Spanien die Alumbrados kennt: Frauen mit innerer Offenbarung sind verdächtig. Das Manuskript wird beschlagnahmt, geprüft, nach ihrem Tod erst frei. Sie ist nie verurteilt worden. Sie hat unter Verdacht gelebt, kühn und gehorsam zugleich.
Der Camino de perfección, um 1566, für die Schwestern von San José. Das praktischste Buch: Demut, Loslassen, Liebe untereinander, das Vaterunser als innere Schule. Wer Teresa ohne Kitsch will, fängt hier an, nicht beim Engel.
Das Castillo interior 1577 ist die Landkarte. Die Fundaciones und die Briefe halten das Haus: Reise, Geld, Humor, der Herr bei den Töpfen. Die Regel bleibt: nicht mit Zitatsammlungen beginnen. Der Sammler will Nada te turbe an die Wand. Teresa will, dass du dich hinsetzt, auch morgen, wenn nichts kommt.
Was Teresa nicht ist
Bevor die Praxis kommt, eine Grenze, sonst machst du aus ihr wieder eine Ware. Teresa ist keine Gipsheilige und kein Bernini: Die Verzückungen sind berichtet, nicht zur Nachahmung ausgestellt, und sie selbst misst am Dienst, nicht an Visionen. Sie ist kein Gegen-Johannes; Burg und Nacht gehören zusammen, zwei Werkzeuge einer Reform, keine Marken. Und sie ist keine Methode, Gott herbeizuführen. Die vier Wasser und die sieben Wohnungen sind Beschreibungen, keine Garantie. Den Regen bestellst du nicht, und wenn du ihn bestellen willst, bist du in der dritten Wohnung stehen geblieben, nur mit besserer Literatur.
Zwei Übungen
Teresa hinterließ Seelenleitung und Hausregeln, keine App. Die folgenden Übungen übersetzen amistad und determinación in etwas, das du tun kannst, ohne die Burg zu einem Lehrpfad zu machen. Mehr zu Haltung und Sitz steht unter mystischen Praktiken.
Übung 1: Zum Freund setzen, ohne zu handeln (amistad)
Nimm fünfzehn Minuten, möglichst täglich zur selben Zeit, nicht weil die Uhr heilig wäre, sondern weil Wiederholung dem Kaufmann die Dramatik nimmt. Setz dich aufrecht, die Augen halb gesenkt, ein paar Atemzüge, ungestellt.
Dann keine Technik, die etwas erzeugen will. Eine einzige innere Wendung, so schlicht, dass sie dich entwaffnet: Ich bin hier. Du bist hier. Nicht als Mantra, als Freundschaft. Wenn Gedanken kommen, lass sie Gäste sein, die du nicht bewirtest. Wenn Tröstung kommt, nimm sie, ohne sie einzustecken. Wenn nichts kommt, bleib, das ist die Probe, ob du Freundschaft meintest oder Lieferung.
Sobald der Satz auftaucht „das bringt nichts“, hast du den Kaufmann erwischt. Danke ihm und setz dich nicht für ihn hin. Teresa würde nicht fragen, ob es tief war. Sie würde fragen, ob du geblieben bist, ohne Lohn.
Am Ende zwei Minuten sitzen, ohne Bilanz. Dann aufstehen und das nächste konkrete Ding tun, Geschirr, Brief, Gang. Der Freund geht mit unter die Töpfe, oder er war nur ein Erlebnis im Zimmer, und Erlebnisse bleiben nicht.
Übung 2: Die dritte Wohnung ehrlich machen (determinación)
Diese Übung braucht Papier und den Mut, dich nicht für weiter zu halten, als du bist. Zwanzig Minuten.
Schreib drei Fragen, konkret, nicht „Ego“: Wo ist mein Leben schon ordentlich genug, dass ich nicht mehr riskiere? Welche geistliche Tröstung würde ich am wenigsten hergeben? Was täte ich diese Woche, wenn der Freund schweigt und ich trotzdem bleibe?
Die dritte Wohnung ist Teresas Stachel, weil sie so respektabel ist. Du betest, du bist anständig, du liest die richtigen Bücher, und irgendetwas in dir hat sich zur Ruhe gesetzt, als wäre Anstand schon Einung. Die Burg geht weiter, aber nur, wenn du aufhörst, die dritte für die siebte zu halten.
Wähle eine Antwort, nicht zehn. Sieben Tage eine kleine Entschlossenheit daran: ein festes Viertelstunden-Gebet ohne Ergebnisprüfung, ein Dienst, den niemand sieht, ein Verzicht auf das geistliche Gespräch, in dem du immer ein bisschen besser dastehst, als du bist. Determinada determinación ist nicht Verbissenheit. Sie ist die Weigerung, die Freundschaft von der Stimmung abhängig zu machen.
Am achten Tag lies die Zettel noch einmal, ohne zu bewerten. Aufstieg, den du zählen kannst, ist wieder Handel. Wer in eine trockene Phase gerät, lese parallel die Dunkle Nacht der Seele. Teresa würde zuerst fragen: Hängst du am Trost, oder am Freund?
Lesen, ohne sie zu sammeln
Ein praktischer Einstieg: den Camino zuerst, ein Kapitel laut. Dann die Vida, nicht als Roman der Wunder. Das Castillo danach, Wohnung für Wohnung, ohne vorzublättern zur siebten, sonst willst du die Vermählung, bevor du den Vorhof ausgehalten hast.
Die Frage ist nicht: Wie bekomme ich Gott zu spüren? Sie lautet: Bin ich bereit, mich zum Freund zu setzen, auch wenn nichts dabei für mich herausschaut — und danach in die Küche zu gehen?
Achtung, der Kaufmann ist findig. Wenn er Gott nicht als Trost besitzen kann, besitzt er Teresa. „Ich bin jemand, der die innere Burg kennt.“ Schönes Label. Sie würde dir den Besen in die Hand drücken und sagen, der Herr sei unter den Töpfen, nicht auf dem Etikett.
FAQ
Was sind die sieben Wohnungen? Die Seele ist eine Burg, Gott wohnt in der Mitte. Die ersten drei Wohnungen sind vor allem dein Werk, besonders die dritte, das anständige Stehenbleiben. Ab der vierten tut Gott mehr als du. Die siebte ist geistliche Vermählung und entlässt dich in den Dienst. Eine Karte, kein Fahrplan.
Wie unterscheidet sie sich von Johannes vom Kreuz? Sie kartografiert die Burg als Freundschaft. Er kartografiert die Nacht als Reinigung. Dieselbe Armut des inneren Kaufmanns, zwei Sprachen. Teresa setzt sich zum Freund. Johannes bleibt, wenn der Trost genommen wird. Lies beide, sonst bleibt dir entweder nur die Wärme oder nur das Dunkel.
Was sind die vier Wasser? Vier Weisen, den Garten der Seele zu bewässern, aus der Vida: Eimer am Brunnen, Schöpfrad, Bach, Regen. Von der Anstrengung der Betrachtung bis zur eingegossenen Beschauung. Du kannst die ersten Schritte tun. Den Regen machst du nicht, und wer ihn machen will, hat das Bild schon zum Besitz erklärt.
Warum war die Inquisition im Spiel? Weil Spanien die Alumbrados fürchtete und eine Frau mit inneren Worten verdächtig war. Die Vida wurde geprüft, nicht verurteilt. Teresa schrieb unter Gehorsam. Kühnheit ohne Rechenschaft wäre bei ihr wieder das Ich, das Gott privat besitzt.
War die Transverberation der Mittelpunkt ihres Weges? Nein. Sie hat sie berichtet, nicht zur Ware gemacht. Maß der Gabe ist Demut und Dienst. Wer Teresa über den Feuerpfeil sucht, sucht ein Souvenir. Den Herrn findet sie öfter in der Küche.
Womit soll ich anfangen? Mit dem Camino und mit Übung 1, parallel den Überblick zur christlichen Mystik. Die Burg nicht als Einstieg, sonst zählst du Wohnungen, bevor du sitzen kannst.
Ist das nur etwas für Karmelitinnen? Sie schreibt als Karmelitin. Die Unterscheidung von Freundschaft und Besitz gilt überall dort, wo jemand Gott nicht mehr als Erfahrung einsammeln will. Nicht jede stille Viertelstunde ist die vierte Wohnung. Manche ist nur Dienstag, und Dienstag reicht, um sich hinzusetzen.
Kurz gesagt
Teresa von Ávila lehrt keine Methode, mit der man Gott herbeiführt. Sie lehrt Freundschaft, die bleibt, wenn die Tröstung ausbleibt, und eine Burg, deren Mitte du nicht besetzt, weil dort schon jemand wohnt. Die vier Wasser und die sieben Wohnungen sind Karten, kein Besitz. San José und die Reform sind die äußere Folge einer inneren Weigerung, im Sprechzimmer stecken zu bleiben.
Neben Eckharts Gelassenheit und Johannes’ Nacht ist das die dritte Sprache derselben Armut: nicht Gott haben, bei Gott sein, und danach Geschirr spülen. Der Herr wandelt unter den Töpfen. Setz dich zum Freund, nicht morgen, jetzt. Und wenn du es nicht kannst, setz dich trotzdem, weil das Nicht-Können oft ehrlicher ist als die schöne Verzückung, die innerlich schon den Lohn zählt.